Wer schon einmal Werbung für ein Handelssystem gesehen hat, kennt die Kapitalkurve, die gleichmäßig von links unten nach rechts oben läuft. Fast alle sind echt gerechnet. Fast alle führen trotzdem in die Irre.
1. Overfitting: Anpassung an den Zufall
Mit genug Stellschrauben und genug Historie findet ein Computer immer Einstellungen, die in der Vergangenheit Geld verdient hätten. Das ist keine Entdeckung, sondern eine Beschreibung von Rauschen. Je mehr Parameter und je mehr ausprobierte Kombinationen, desto wahrscheinlicher ist das Ergebnis an die Vergangenheit angepasst statt vorhersagend.
2. In-Sample und Out-of-Sample
- In-Sample: Daten, auf denen die Regeln entwickelt und eingestellt wurden.
- Out-of-Sample: Daten, die die Regeln dabei nie gesehen haben.
In-Sample-Ergebnisse sind systematisch zu optimistisch. Nur Out-of-Sample-Ergebnisse schätzen, was als Nächstes passieren könnte.
3. Walk-Forward-Test
- Regeln auf einem ersten Zeitraum einstellen.
- Unverändert auf dem folgenden Zeitraum testen.
- Beide Fenster weiterschieben und wiederholen.
- Nur die zusammengefassten Testzeiträume berichten.
So entstehen die Werte, die Kairon als Out-of-Sample ausweist. Deshalb liegen sie auch unter den In-Sample-Werten, genau wie man es von einem ehrlichen Test erwarten sollte.
4. Look-Ahead-Bias
Die Simulation nutzt Informationen, die zum Entscheidungszeitpunkt noch nicht bekannt waren: den Schlusskurs für einen Kauf zur Eröffnung, nachträglich korrigierte Bilanzzahlen, die heutige Indexzusammensetzung für einen Test im Jahr 2015.
5. Survivorship-Bias
Wer nur mit heute existierenden Unternehmen testet, lässt Pleiten und Delistings still weg. Eine Strategie, die "abgestürzte Aktien kauft", sieht dann brillant aus.
6. Rosinenpickerei und kleine Stichproben
Gezeigt wird der beste Zeitraum, der beste Wert oder die beste von vielen Varianten. Und 25 Trades können rein zufällig 70 % Trefferquote ergeben. Faustregel: Aussagen mit weniger als 100 bis 200 unabhängigen Trades und nur einer Marktphase mit Skepsis lesen.
7. Kosten ignorieren
Gebühren, Spreads, Slippage und Kurslücken sind pro Trade klein und in Summe groß. Häufig handelnde Strategien kippen dadurch leicht ins Minus.
Einen Track Record ehrlich lesen
| Frage | gutes Zeichen | Warnzeichen |
|---|---|---|
| Wird jeder Trade veröffentlicht? | vollständige Liste inkl. Verlierer | nur Highlights |
| In- oder Out-of-Sample? | klar getrennt | eine vermischte Zahl |
| Stichprobe und Zeitraum? | angegeben, 100+ Trades | fehlt oder winzig |
| Nur Trefferquote? | dazu Erwartungswert und Profitfaktor | nur Trefferquote |
| Kosten berücksichtigt? | ja, angegeben | nicht erwähnt |
| Methode erklärt? | Einstieg, Ausstieg, Stops, Haltedauer | "proprietär" |
Was wir mit unseren eigenen Zahlen machen
Kairon veröffentlicht jeden bewerteten Call, dokumentiert die Methode (Einstieg zum nächsten verfügbaren Kurs, Ziel, Stop, Break-even-Regel, maximale Haltedauer, neutrale Zone von ±1,5 %), trennt In-Sample von Out-of-Sample und bewertet Calls mit niedriger Konfidenz nicht mit. Wenn unsere Zahlen schlechter werden, werden sie öffentlich schlechter. Alles nachprüfbar im Track Record.
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Dieser Ratgeber dient der Bildung und ist keine Anlageberatung. Vergangene und simulierte Ergebnisse sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft.
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